Giovanna Amprimo
Das Wort “Säkularisierung” tauchte erstmals im 17. Jahrhundert auf, im Anschluss an den verheerenden Krieg, der 1648 endete – einen Konflikt, der weite Teile Europas dreißig Jahre lang verwüstete und das politische Gleichgewicht des Kontinents veränderte. Der Dreißigjährige Krieg war ein entscheidendes Ereignis der europäischen Geschichte.
In diesem Kontext war die Bedeutung des Begriffs “Säkularisierung” eindeutig: Er bezog sich auf die Tatsache, dass infolge des Krieges zahlreiche Güter, die zuvor im Besitz der römischen Kirche gewesen waren, unter staatliche Kontrolle gelangten. Man verwendete den Begriff “Säkularisierung”, weil “säkular” in der mittelalterlichen Terminologie den Bereich außerhalb der Kirche bezeichnete; da diese Vermögenswerte nun der Kontrolle anderer Staaten als des Kirchenstaates unterstanden, galten sie als “säkularisiert” – und damit als einer unrechtmäßigen Kontrolle unterworfen, ein Standpunkt, den die römische Kirche noch lange Zeit vertrat.
Bis zu diesem Punkt ist die Bedeutung des Begriffs klar. Zieht man jedoch Wikipedia heran, so findet man folgende Definition:
Im 19. Jahrhundert bezeichnete der Ausdruck zunehmend jenen Prozess, in dem gesellschaftspolitische Institutionen und das kulturelle Leben eine fortschreitende Autonomie gegenüber religiöser Kontrolle und Einflussnahme gewannen. In diesem Sinne – der die Säkularisierung als prägendes Merkmal der Moderne begreift – hat der Begriff seine ursprüngliche Neutralität verloren und gegensätzliche Wertungen erfahren: Für die einen steht er für einen positiven Emanzipationsprozess, für die anderen für einen degenerativen Prozess der Entsakralisierung, der den Weg in den Nihilismus ebnet.
Von Klarheit kann hier kaum die Rede sein. Im Gegenteil: Fast jedes Wort in dieser Passage wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. “Säkularisierung”, so scheint es, ist das bestimmende Merkmal der “Moderne”. Doch anstatt etwas “Neutrales” zu definieren (wobei auch die Bedeutung dieses Begriffs unklar bleibt), zeichnet das Wort die Moderne entweder in einem negativen (nihilistischen) oder in einem positiven (emanzipatorischen) Licht. All dies lässt sich auf die zunehmende Autonomie gesellschaftlicher und politischer Institutionen gegenüber kirchlicher Kontrolle zurückführen.
Während der Begriff anfangs eindeutig war, hat sich die Sachlage inzwischen verkompliziert. Säkularisierung ist nicht mehr bloß die Überführung bestimmter Institutionen aus kirchlicher Kontrolle in die eines Souveräns oder Fürsten; sie ist ein komplexerer Vorgang, der die Genese der Moderne selbst berührt. Die Moderne ist das “säkulare Zeitalter” (Taylor) – die Ära der Säkularisierung –, auch wenn die genaue Bedeutung all dessen unklar bleibt.